Diablo 4 bringt direkt zum Start ein hochmotivierendes Endgame – und übertrifft damit schon jetzt Diablo 3

Stephan war skeptisch, wie lange ihn das neue Blizzard Hack&Slay im Endgame beschäftigen würde und konnte sich dann ganz lange nicht mehr losreißen.

Mein Druide konnte sich schon durch komplette Endgame schnetzeln. Mein Druide konnte sich schon durch komplette Endgame schnetzeln.

In Interviews hielt sich Blizzard bezüglich des Endgames von Diablo 4 bedeckt. Nur wenige Details sickerten durch: Der flüsternde Baum sollte wohl Kopfgelder verteilen, irgendwo würden Meteore herunterfallen und die Dungeons würden schwerer.

All das klang für mich noch wenig konkret. Doch während der Preview-Phase wurden mir die Vorzüge des Endgames immer klarer und am Ende war es schwer, mich von der Motivationsspirale loszureißen.

Kopfgeld-Missionen aber weniger nervig

Habt ihr Lilith’s Plan mithilfe von Äxten, Pfeilen oder Skeletten einen Strich durch die Rechnung gemacht, dann erhaltet ihr Zugriff auf den flüsternden Baum. Dabei ist es völlig egal, ob ihr schon Stufe 50 erreicht habt oder nicht. Der Baum gibt euch eine Reihe von Kopfgeld-Missionen, nach deren Abschluss ihr eine Truhe erhaltet.

Wer jetzt schon vermeintlich wissend mit den Augen rollt, hat vermutlich genauso wie ich zu viele Seasons in Diablo 3 erlebt. Meine Reaktion fiel ähnlich aus. Denn die Kopfgelder waren immer der nervigste Bestandteil des Diablo-Endgames, die oft mehr aus Reisen und Suchen bestanden als Monster-Klatschen. Aber keine Angst: Die Kopfgelder des Baums gehen deutlich angenehmer von der Hand als die Teleport-Odyssee des Vorgängers.

Der flüsternde Baum Auf den Baum trefft ihr während der Hauptgeschichte.

Kopfgelder Seine Aufträge liegen in einem kleinen Gebiet nah beieinander, so dass ihr oft mehrere gleichzeitig erledigen könnt.

Belohnung Am Ende habt ihr die Wahl für eine Truhe. Hier haben wir uns für eine Ring-Truhe entschieden.

Zwei bis drei Fliegen mit einer Klappe: Statt euch für jedes Kopfgeld an einen bestimmten Ort  zu teleportieren und dann verzweifelt in einem großen Gebiet den einen Gegner oder Dungeon zu suchen, werden euch alle Kopfgelder diesmal direkt auf der Karte angezeigt.

Außerdem liegen sie so nah beieinander, dass ihr oft mehrere auf einmal erledigen könnt. Schließt ihr eine der Kopfgeld-Missionen ab, erhaltet ihr “Grausige Gaben”, abhängig davon, wie komplex das Kopfgeld war. Ein Event gibt zum Beispiel eine Gabe, ein Dungeon hingegen direkt fünf. 

Endlich Auswahl! Habt ihr zehn Gaben zusammen, könnt ihr zum Baum zurückkehren. Dieser bietet euch dann drei Truhen an, die euch praktischerweise verraten, was sie enthalten. Öffnet ihr eine Schmuck-Truhe, ist die Chance auf einen legendären Ring groß. Eine Hosen-Truhe hingegen gibt – richtig geraten – Hosen. So könnt ihr gezielt Teile farmen, die ihr braucht.

Stephan Zielke
Stephan Zielke

Es ist schon eine Weile her, dass Stephan in Diablo 1 ein komplettes Wochenende nicht am Butcher vorbeikam. Seitdem hat er mehrere 1000 Stunden in die Reihe investiert und unzählige Seasons mitgemacht. Mit der Rückkehr des Druiden hatte ihn Blizzard eigentlich schon am Haken, seinem meistgespielten Charakter. Das Diablo 4 gleich aber noch so gut geworden ist, hat er als chronische Meckertante aber nicht erwartet. 

Ab Weltenstufe 3 wird es höllisch gut

Weitere Endgame-Inhalte bekommt ihr erst mit Weltenstufe 3. Habt ihr die erreicht, öffnen sich zum Beispiel die sogenannten Höllenfluten auf der Karte. Das bedeutet, dass sich die Karte in regelmäßigen Abständen an einer Stelle rot verfärbt und dort Blut vom Himmel regnet. In diesem Bereich sammelt ihr dann von allen Gegnern, Events und Bossen Glut, die ihr bei Truhen überall im Gebiet eintauschen könnt. So kosten euch Rüstungstruhen für Stiefel beispielsweise 75 Glut oder Truhen mit Waffen 150 Glut. 

Höllenflut Die roten Höllenflut-Gebiete bleiben nur begrenzte Zeit verfügbar.

Fette Beute Aus so gut wie allen Truhen bekommt ihr garantierte legendäre Gegenstände.

Passt aber auf! Solltet ihr sterben, wird eure aktuelle Glut halbiert. Werdet also nicht zu gierig, denn die Höllenflut-Gebiete sind gefährlich. Meteore fallen vom Himmel und sehr starke Bossmonster laufen hier herum. Zudem sitzt euch ein Zeitlimit im Nacken. Ist die Flut vorbei und ihr habt noch Glut, dann ist diese verloren und ihr müsst auf die nächste warten. Macht es nicht wie ich und wartet bis zum letzten Moment, um noch eine Waffen-Kiste zu erreichen. Den 160 Glut weine ich immer noch hinterher.

Klage gegen Activision Blizzard: Aktuell ist gegen Call of Duty-Publisher Activision Blizzard eine Klage wegen Diskriminierung, sexuellen Übergriffen und schlechten Arbeitsbedingungen im Gange. Alle Infos zu den Vorwürfen von vor einigen Wochen findet ihr hier, alles zum neueren Skandal rund um CEO Bobby Kotick hier. Einen Kommentar von GamePro-Chefredakteurin Rae Grimm bezüglich unserer Berichterstattung zum Thema findet ihr hier.

Die Höllenfluten tauchen nur alle paar Stunden auf und ich habe immer alles stehen und liegen gelassen, um sie mitzunehmen. Sie sind eine angenehme Abwechslung vom übrigen Grind und waren immer – insbesondere wegen des guten Loots – die investierte Zeit stets mehr als wert.

Alptraumdungeons? Eher ein Traum zum Farmen!

Wenn ihr auf Weltenstufe 3 fleißig Kopfgelder und Höllenfluten erledigt, dann stoßt ihr zwangsläufig auch auf Alptraumsiegel. Jedes ist mit einem der zahlreichen Dungeons in der Welt verbunden und verwandelt sie bei Benutzung in einen Alptraumdungeon. Je nach Siegel und World Tier, haben die Dungeons eine Stufe zwischen 1-100.

Dadurch werden aber nicht nur die Monster stärker und halten mehr aus, sondern die Verliese können noch mit einigen zusätzlichen Überraschungen aufwarten. Neben den Elite- und Bossmonstern warten dann auch die Dungeons mit Affixen auf, die euch das Leben schwer machen.

Dungeons erhalten eigene Affixe, die euch während eures Runs das Leben schwer machen. Dungeons erhalten eigene Affixe, die euch während eures Runs das Leben schwer machen.

Chaos in völliger Dunkelheit: Diese reichen von einfachen Buffs für Elitegegner, die zusätzliche Affixe bekommen, zu völlig abgefahrenen Dingen wie einem Blitz, der euch alle paar Sekunden trifft und vor dem ihr unter Kuppeln Deckung suchen müsst.

Oder Herzen, die das Blut umliegender Gegner aufsaugen und explodieren, wenn ihr ihnen nicht den Garaus macht. Mein Favorit waren magische, dunkle Projektile, die meinen Charakter verfolgen. Treffen sie euch, entsteht eine Schattenfläche, in der ihr nichts mehr sehen und keine Fähigkeiten nutzen könnt. 

Vorsichtiger zu spielen lohnt sich also, auch weil euch in Diablo 4 kein Timer im Nacken sitzt, wie bei den Rifts von Diablo 3. Stattdessen gibt es einen Todes-Zähler. Sterbt ihr zwölf Mal, dann ist Schluss und ihr werdet rigoros aus dem Dungeon geworfen.

Die Affixe verlangen viel Aufmerksamkeit. Hier müsst ihr euch unter einer Kuppel verstecken, damit ihr nicht von einem Blitz erwischt werdet. Die Affixe verlangen viel Aufmerksamkeit. Hier müsst ihr euch unter einer Kuppel verstecken, damit ihr nicht von einem Blitz erwischt werdet.

Damit ihr nicht nur mit negativen Effekten zugeschmissen werdet, gibt es aber auch positive Effekte für euch und eure Gruppe. So werden eure Abklingzeiten mit jedem Kill reduziert oder ihr verursacht mehr Schaden mit Gift. So fühlt sich jeder Dungeon einzigartig an, egal ob ihr ihn zum ersten oder zum hundertsten Mal besucht. Ich konnte auf jede Fall nicht genug von den Verliesen bekommen.

Als Belohnung erhaltet ihr einen garantierten legendären Gegenstand und einen Altar, an dem ihr Glyphen aufwerten könnt, den letzten Teil des Endgame-Puzzles. 

Multiplayer-Zwang im Endgame?

Alle hier vorgestellten Inhalte konnten wir auch allein angehen und erfolgreich abschließen. Nur die Weltenbosse, die auch Teil des Endgames sind und sehr guten Loot geben, sind in Gruppen einfacher. Wir konnten aber während der Testphase den bekannten Boss aus der Beta Ashava zu zweit locker auf 10% Leben bringen und einige Kollegen haben den Boss sogar solo gemacht. Trotz des leichten MMO-Ansatzes könnt ihr also das komplette Endgame von Diablo 4 als Solist*in erleben.

Das Beste zum Schluss: das Paragonbrett

Ab Stufe 50 erhaltet ihr keine Skillpunkte mehr, sondern Paragonpunkte. Diese verteilt ihr erst auf einem allgemeinen Spielbrett, auf dem euch jedes aktivierte Feld Hauptwerte, Lebenspunkte, Schaden und weitere Boni spendiert. Die Felder haben dabei dieselben Seltenheitsstufen wie auch die Ausrüstung des Spiels.

Arbeitet ihr euch bis zum Rand vor, könnt ihr eines von acht Brettern für eure Klasse wählen und eure gewählte Spezialisierung noch weiter vertiefen. Hier gibt es dann sogar legendäre Felder, die den Spielstil eurer Klasse vollkommen umkrempeln können.

Das Paragonbrett ist komplex und bietet viele Möglichkeiten zum anpassen des Charakters. Das Paragonbrett ist komplex und bietet viele Möglichkeiten zum anpassen des Charakters.

Auf jedem Brett findet ihr aber auch einen freien Sockelplatz, wo ihr eine Gyphe einsetzen könnt. Die verstärken oft andere Felder in Reichweite und geben euch zusätzliche Boni. Mein Druide erhielt zum Beispiel 12% Schaden bei allen nahen Gegnern, was meinem Werwolf-Build sehr entgegenkam. Mit aktivierten Feldern in der Nähe winken dann sogar noch mehr Boni. 

Diese Glyphen lassen sich dann in den Alptraumdungeons noch weiter aufwerten. Je höher der Dungeon, desto stärker lässt sich die Glyphe aufleveln. Sie hat dann mehr Reichweite und beeinflusst mehr Felder im Umkreis oder gleich stärkere Effekte. Sie sind also quasi ein Ersatz für die legendären Edelsteine des dritten Teils, verändern aber sehr viel stärker euren Spielstil. 

Motivierende Spirale

Zusammen ergeben alle Bestandteile des Endgames ein sehr rundes Paket, das mich mit meinem Druiden bis zur letzten Minute – also bis zur Server-Abschaltung – motivieren konnte. 

Die Kopfgelder gingen leicht von der Hand und sind bei weitem nicht mehr so langwierig wie noch im Vorgänger. Die regelmäßig fallengelassenen Alptraumsiegel gaben mir zwischendurch zudem jede Menge Abwechslung vom Grind und forderten meine Build oft auf interessante Art und Weise heraus, so dass die Dungeons nun nicht zu einem hirnlosen Schlachtfest verkommen wie etwa die Rifts.

Wenn ich schlussendlich meine Glyphen verbessern konnte und vielleicht sogar eine neue bekam, dann passte ich öfter meinen Charakter an, sodass sich mir regelmäßig ganz andere Spielstile boten. Dadurch war auch ein und derselbe Charakter auch weit nach 100 Stunden Spielzeit immer noch interessant. 

Und immer wenn ich dachte, dass es vielleicht doch gerade etwas langweilig  werden könnte, tauchte ein Weltboss oder ein Höllenflut auf, für die ich aufgrund der motivierenden Belohnungen stets alles stehen und liegen ließ. 

Ich kann auf jeden Fall jetzt schon absehen, dass ich auch beim Release etliche Stunden in das Endgame von Diablo 4 investieren werde, was mich schon in dieser frühen Version sehr motivieren konnte und sich jetzt schon besser anfühlt als Diablo 3 in seinem aktuellen Zustand. Dabei war noch nicht mal eine Season verfügbar, die bestimmt noch auf diesem Grundgerüst aufbauen wird. Denn wenn Blizzard hier noch neue Events nachliefert, die das Endgame noch erweitern, dann kann mich Diablo 4 bis zu einem möglichen fünften Teil definitiv als treuen Spieler einplanen.

zu den Kommentaren (3)

Kommentare(3)
Kommentar-Regeln von GamePro
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.